Absatzgenossenschaft Unterrieden eG

ANBAUGEBIET WITZENHAUSEN

Erste urkundliche Erwähnung des Kirschenanbaus

Eckhardt, W.
Eckhardt, K.A.;  Studia Wizzenhusana; Das Witzenhäuser Stadtbuch 1530 - 1612; Bibliotheca rerum historicarum

 

 

 

 

 

Erste schriftliche Erwähnung der Kirschen in Witzenhausen: In dieser Aufzeichnung hießen die Kirschen noch „kersebern“. Der Name hat sich seither geändert, aber wie sieht es mit dem Nachbarschaftsstreit aus?

In einem Stadtplan aus dem Jahr 1742/43 ist bereits eine Straße mit dem Namen „Aufm Kirschen Marckt“ eingezeichnet. Heute heißt die Straße „Kespermarkt“.

Kirschenanbau über vier Jahrhunderte

1573 Erste schriftliche Erwähnung der Kirsche in Witzenhausen.

1823 Die „Statistik und Topographie des Kurfürstentums Hessen“ erwähnt den Kirschenanbau als einen der wichtigsten „Nahrungszweige der Stadt Witzenhausen“.

1879 Etwa 240 der 725 Haushalte in Witzenhausen sind Kirschenanbauer. Jeder dieser Haushalte besitzt durchschnittlich 50 Bäume.

1930 Rund um Witzenhausen wachsen nun bereits etwa 50.000 Bäume. Sie tragen zusammen ungefähr 25.000 Zentner Kirschen (= 1.250 Tonnen).

1959 Kirschenanbauer gründen die Absatzgenossenschaft in Unterrieden. 

1975 Die Anzahl der Kirschenbäume pendelt sich auf etwa 150.000 ein.

1982 Die Kirschenversuchsanlage in Wendershausen nimmt ihre Arbeit auf. Sie testet moderne Formen des Kirschenanbaus.

2007 Die Stadt Witzenhausen arbeitet in Kooperation mit den Fachgebieten Agrarbiodiversität und Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur in dem Projekt: „Erhaltung der Süßkirschensortenbestände in Hagen am Teutoburger Wald und Witzenhausen“.

Eine weitere interessante Ausarbeitung zu diesem Thema ist abrufbar bei der Universität Kassel- Fachbereich Ökologischer Argrarwissenschaften in Witzenhausen. 

Und heute?

Die Kirschen sind nach wie vor ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt in Witzenhausen. Aber sie sind noch mehr: Die Kirschbäume prägen wesentlich den Charakter der Kulturlandschaft und geben der Kirschenstadt ihre unverwechselbare Identität. Hinter den Kirschbäumen stehen Menschen, die die Bäume pflegen und ernten. Sie tragen damit zum Erhalt der attraktiven Kulturlandschaft bei und sorgen dafür, dass die Kirschenstadt ihrem Namen alle Ehre macht.


Kirschenkunstwerk "Metamorphose" der Kreativwerkstatt der VHS Witzenhausen. 

Im Erwerbskirschenanbau kommen heute fast ausschließlich kleinkronige Kirschbäume mit modernen Sorten zum Einsatz. Nur die großen und transportfesten Früchte gelten als marktfähig. Die Ernte und Pflege der alten Hochstamm-Kirschbäume lohnt sich für die Anbauer kaum noch. Ohne Pflege „vergreisen“ die Bäume und sterben ab. Mit diesen Bäumen verschwinden auch die alten Kirschensorten.

Um die Sorten zu sichern, untersuchten Pomologen im Rahmen des Kooperationsprojekts: „Erhaltung der Süßkirschensortenbestände in Hagen am Teutoburger Wald und Witzenhausen“ für die Universität Kassel die Kirschbaumbestände rund um Witzenhausen. Dabei fanden sie viele interessante alte sowie einige lokale Sorten. Ein paar davon wurden im Rahmen des Kirscherlebnispfades  angepflanzt.

Die Kirschbaumbestände des Kirschenerlebnispfades sind Teil der „Deutschen Genbank Kirsche“.

Die Früchte der alten Sorten sind zwar meist kleiner und nicht so transportfest wie die Neuzüchtungen, dafür besitzen sie jedoch oft eine besondere geschmackliche Qualität.

 

© Stand: September 2008