Absatzgenossenschaft Unterrieden eG

KIRSCHSTAMM

Veredelung

Wussten Sie, dass Sie eigentlich immer zwei „Pflanzen“ vor sich haben, wenn Sie einen Kirschbaum sehen? Kirschbäume sind nämlich veredelt.

 

Eine „Pflanze“ bildet als sogenannte Edelsorte meine Krone aus und trägt die Früchte. Der Geschmack der Kirschen wird durch sie bestimmt. 

 

 

 

Eine „Pflanze“ bildet als so genannte "Unterlage" die  Wurzeln aus und versorgt sie mit Wasser und Nährstoffen. Mit der Auswahl der Unterlage nimmt man Einfluss auf die Größe der Pflanze und die Widerstandskraft.

 

 

Die Baumformen im Kirschenanbau entwickelten sich von großen, hochstämmigen Bäumen über Halbstämme hin zu kleinkronigen Niederstämmen. Die Früchte der modernen Kirschensorten wurden hingegen durch Züchtung größer.

 

Hochstämme (ab 1,80 m Höhe)

... sind gefährlich.

Um die Früchte der stattlichen Bäume zu ernten, brauchen die Pflücker hohe Leitern. Dies erhöht die Unfallgefahr gegenüber niedrigeren Bäumen. Kirschbäume können bis zu 30 m hoch werden.

... brauchen lang, leben lang, geben viel.

Erst nach etwa 10 Jahren beginnen Hochstämme gut zu tragen. Die besten Ernten bringen etwa 20 - 40 Jahre alte Bäume. Von einem Baum können im Jahr 150 - 300 kg Kirschen geerntet werden.

...benötigen viel Platz und lassen Platz.

Wegen ihrer großen Kronen benötigen diese Bäume einen großen Abstand zum nächsten Baum. Die Fläche unter den hohen Kirschbäumen können die Bauern zusätzlich als Grünland oder Acker nutzen.

...haben eine starke Unterlage.

Die Veredelungsunterlage ist meist die wilde Vogel-Kirsche.

...sind schön und bieten Lebensraum.

Die hohen Bäume können Lebensraum für viele verschiedene Tierarten bieten.

 

Halbstamm (1,0 m - 1,20 m Höhe

Die Bäume dieser Anlage sind Halbstämme. Die Baumform, welche Sie auf dieser Fläche sehen, entsteht durch Schnittmaßnahmen, die die Leitäste in halber Höhe wachsen lässen. Dies „holt die Krone der Bäume herunter“ und erleichtert die Ernte im Vergleich zu Hochstamm-Bäumen.

In der Anlage stehen mehrere alte Kirschensorten mit unterschiedlicher Reifezeit wie Schmahlfelds Schwarze , Haumüller , Schneiders Späte Knorpel , Büttners Rote Knorpel und Gestreifte Spanische Knorpel. Durch diese Vielfalt erstreckt sich die Erntezeit über mehrere Wochen. Hierdurch wird das Risiko reduziert, durch schlechtes Wetter die gesamte Ernte zu verlieren. Es bedeutet aber auch einen erhöhten Arbeitsaufwand.

 

Klein- oder Niederstämme (0,80 m - 1,00 m Höhe)

... sind praktisch.

Die kleinkronigen Bäume lassen sich leicht abernten.

... bringen schnell gute Erträge.

Bereits nach vier Jahren lohnt sich die Ernte. Schon nach fünf bis sechs Jahren bringen die großfrüchtigen, modernen Sorten mit 20 - 25 kg pro Baum den vollen Ertrag.

...brauchen wenig Platz.

Auf eine bestimmte Flächeneinheit passen mehr kleine als große Bäume.

...haben eine schwach wachsende Unterlage.

Die Veredelungsunterlage, die das Wurzelsystem ausbildet, besitzt nur eine geringe Wuchsstärke. Dadurch wird auch das Wuchsverhalten der Edelsorte beeinflusst, so dass die Krone der Bäume klein bleibt.

...erzeugen ein anderes Landschaftsbild.

Die niedrigen, kleinkronigen Bäume haben eine andere Raumwirkung als die Hochstämme. Ihr ökologischer Nutzen ist geringer als der der Großen.

 

Pflege

Ein regelmäßiger Schnitt von Süßkirschen hält den Baum jung und gesund. Die Früchte können gleichmäßiger reifen. Bei Sauerkirschen ist der jährliche Baumschnitt zwingend, weil die Kirschen sich nur am einjährigen Holz bilden und die Pflanze sonst „vergreist“. Süßkirschenbäume werden idealerweise gleich nach der Ernte oder bereits zur Erntezeit geschnitten. Ein Winterschnitt ist bei Süßkirschen abzuraten, weil die Bäume oft stark „bluten“ (Gummifluss).

Die Kirschen sollten mit Stiel geerntet werden, damit sich die Frucht länger hält.

 

© Stand: September 2008